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Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war auch für die Bürger in Bad Kreuznach gekennzeichnet durch den verlorenen Krieg und vielerlei
Entbehrungen. Die Stadt blieb zwar von größeren Zerstörungen verschont, ganz anders als im Zweiten Weltkrieg, aber sie war in den Blickpunkt der Welt gerückt, als sie im Jahre 1917 zum Großen Hauptquartier erkoren
wurde. Der letzte deutsche Kaiser. Wilhelm II., die Oberste Heeresleitung und viele hochgestellte Persönlichkeiten kamen nach Bad Kreuznach und ließen die Stadt plötzlich in den Mittelpunkt des Kriegsgeschehens
rücken. Die bislang ruhige Stadt, die eine relativ ungestörte Entwicklung zum Badeort erleben konnte, hatte wohl immer schon zahlreiche Kurgäste von Rang und Namen in ihren Mauern, aber die Anwesenheil des Kaisers
vermittelte ihr ein neues Selbstbewußtsein. Nach dem Ende des Großen Krieges folgte jedoch eine Zeit. in der sich Bürgerfleiß und Fortschrittsdenken neu bewähren mußten.
In diese Zeit der Neuorientierung
fällt auch die Gründung des Kreuznacher Schachvereins (KSV). Hugo von M e t z e n. Direktor der Sparkasse, gilt als Gründer des Vereins. Er versuchte schon 1920. durch Zeitungsanzeigen Schachfreunde zu aktivieren,
aber es meldete sich niemand. Er ließ sich jedoch nicht entmutigen und suchte stets weiter. Auf ein weiteres Inserat Ende 1920 meldeten sich mehrere Schachfreunde und gründeten den Verein im Parkrestaurant. Hugo von
Merzen wurde zum Ersien Vorsitzenden gewählt. Als Gründungsmitglieder nennt er noch die Herren: Ackva. Corves, Emmel, Fleuren, Keller, Lang, Schweers. Weniger und Würzburger. Mit ihm waren das zehn Mitglieder,
die mit ihrem neuen Schachverein alsbald dem Schachbund Mittelrhein beitraten. Der Verbandsvorsitzende Nonne aus Koblenz spielte zweimal in Bad Kreuznach simultan, ansonsten pflegte man freie Partien und freute sich
an den Schönheiten des königlichen Spiels.
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Hugo von Metzen -- Gründer des Kreuznacher Schachverein |
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Im Frühjahr 1922 schloß sich Curt Hillesheim, ein gebürtiger Kreuznacher,
dem KSV an. Er kam zurück aus Köln, wo er u.a. auch den Akademischen Schachklub gegründet hatte. Er belebte das Vereinsgeschehen mit zahlreichen neuen Ideen. Der junge Hillesheim war für rund ein Jahrzehnt
der Stärkste Spieler des KSV und gut dreißig Jahre lang der große Organisator.
Ab 1924 wurden regelmäßig Mannschaftswettkämpfe aussgetragen. Freundschaftspartner waren die Vereine in Bad Münster, Bingen,
Meisenheim, Sobernheim, Oberstein und Rüdesheim am Rhein. In diese Zeit fällt auch der Besuch einer niederländischen Studentenmannschaft
aus Groningen. die sich "Ludendo Studemus" nannte. Ihr Spitzenspieler van den Bosch unterlag überraschend der Nr. l des KSV, Hillesheim. Auch
im Revanchekampf gelang es Curt Hillesheim erneut, den bereits zur Weltspitze zählenden van den Bosch zu bezwingen.
Das erste Jahrzehnt brachte dem jungen Verein weitere neue Mitglieder, die die Pflege des königlichen Spiels in der Badestadt mit viel Ernst und Hingabe betrieben. Später wurde der
"Berliner Hof" Vereinslokal. Er existierte auf dem Gelände der heutigen Sparkasse am Kornmarkt. Ein weiterer Wechsel wurde schon bald vollzogen: in das Hotel "Kauzenburg" in der Kurhausstraße.
(Nach Hugo von Metzen: Vereinsgeschichte. In Bad Kreuznacher Schachfestwoche 1956. Begleitheft zum Schachkongreß.)
Annonce im Öffentlichen Anzeiger vom 15.12.1920. S. 4: Schachverein Kreuznach (neu gegründet). Spielabende jeden Donnerstag ab 7.30 Uhr abends
im Nebenzimmer des Parkrestaurants. Neuanmeldungen werden dort entgegengenommen.
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